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myWOMAN-Kolumnistin und Autorin K. Grabner-Hayden über ihren turbulenten Alltag mit Kind und Kegel

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Mittwoch, 13.01.2016, 21:07

Schon seit Wochen habe ich nichts von meiner besten Freundin gehört, die ein paar Häuser von mir entfernt wohnt. Sie reagiert weder auf Anrufe, noch auf Emails.
Hat sie einen neuen Freund? Ist sie überarbeitet oder gar auf Urlaub und ich weiß von nichts? Vielleicht hat sie bei unserem letzten Saunabesuch meine Feststellung doch nicht so humorvoll empfunden, unsere Fettschichten seien mit Baumringen zu vergleichen, die sich um unsere Bäuche schlingen und ist nun beleidigt?
Ich gebe es zu, auch ich war die letzten Tage nur schwer erreichbar. Mit hohem Fieber, tränenden Augen und schmerzendem Hals lag ich eine Woche wie eine Leiche im Bett und konnte mich kaum rühren. Alles tat weh, Lunge, Herz und sonstige Organe, die sich irgendwo in meinem Bauch räkeln. Ich, besser gesagt, das was von mir übrig geblieben war, kämpfte gegen einen viralen Infekt an, so der behandelnde Arzt und verordnete strenge Bettruhe.
Nach einer Woche hatte ich den Kampf mit Salbeitee, Lutschtabletten und Antibiotika gewonnen und musste mich in der Früh unter größtem Zwang motivieren, zumindest wieder ein paar Schritte vor die Haustüre zu wagen und meinen ausgemergelten Körper mit frischem Sauerstoff zu versorgen. Ich zog mir eine dicke schwarze Mütze über meine fettigen Haare und schlürfte wie eine alternde Greisin ungeschminkt und ungepflegt aus dem Haus. Niemand sollte mich bei meinem kleinen Ausflug mit dem Hund stören, geschweige denn blöd grüßen oder gar ansprechen, immerhin befand ich mich in einem höchst sensiblen Zustand, der Rekonvaleszenz.
Mit der hässlichen Jogginghose, die schlabbernd um meine Beine baumelte und der überdimensionalen Daunenjacke meines Mannes hätte ich eher Mitleid als Gesprächsinteresse bei Einheimischen erweckt. Mein Aussehen war besorgniserregend und mit rinnender Nase und rotunterlaufenen Augen mehr als abstoßend, ich hätte mich damit sogar in ein Männergefängnis gewagt, ohne etwas befürchten zu müssen.
Ich musste aber gesund werden, immerhin hatte ich vor mit Irene, meiner Freundin am Wochenende an einem Faschingsgschnas teilzunehmen.
Ganz langsam, Schritt für Schritt quälte ich mich durch den Nebel auf dem schmalen Feldweg und achtete weder auf meinen Hund, noch auf das tiefe bellende Husten, das plötzlich vor mir zu vernehmen war. Ich drückte meine Brille auf die Nase und versuchte mir ein Bild von dem Etwas zu machen, das aus der Nebelwand direkt auf mich zukam. Die gebückte Gestalt, eingehüllt in einer Schafwolldecke mit dickem Wollschal hatte große Ähnlichkeit mit einer ukrainischen Bäuerin, grüßte mich in bassähnlichem, aber durchaus verständlichem Hochdeutsch. Ich hauchte ein „Grüß Gott“ zurück und ging weiter. Nur meine Hündin Donna hatte sich freudestrahlend an die Fersen der nicht identifizierbaren Person geheftet. Die Ukrainerin war meine Freundin.
„Gott, wie schaust du aus?“ hauchte ich kaum einer Stimme mächtig in Irenes rotglühende Augen, die unter dem Wollschal ängstlich zum Vorschein kamen.
„Katharina? Du? Ich hätte dich jetzt nicht wiedererkannt. Du schaust ja grauenvoll aus! Bitte sprich laut mit mir, ich hatte durch die Grippe einen Gehörsturz und höre nur mehr auf dem linken Ohr. Schlucken kann ich durch eine Kehlkopfentzündung auch noch nicht richtig, ich ernähre mich mit Strohhalm und nur flüssig. Und frag mich jetzt bitte nicht, wie es mir geht! Ich leide wie ein Hund. Verdammte Viren, die haben mich zu einem Wrack gemacht!“
Es stimmte. Irenes strahlende Augen waren matt und müde, graublaue Ringe legten sich um die herausstehenden Backenknochen, sie hatte sicher zehn Kilo verloren. Ihr schleppender Gang verriet mir größten Schmerz und Mühsal, trotzdem umarmten wir uns aufs herzlichste. Eine wahre Erlösung, sie war offensichtlich nicht auf Urlaub, hatte keinen neuen Freund und hegte auch keinen Groll über meinen blöden Witz, nein eine höchst infektiöse Grippe hatte uns zwei zu viralen Zombies gemacht.
„Wir müssen gesund werden!“ flüsterte sie mir zu, „Ich will mit dir zu dem Faschingsgschnas am kommenden Wochenende gehen und den ersten Preis für unser Kostüm erhalten!“
„Ich auch!“ hustete ich mit einem massiven Bakterienauswurf zurück, „Aber wie? Als Prinzessinnen? Keine Chance. Als Drachen?“
„Was gibt’s hier zum Lachen?“ Irene verstand nicht.
„Ich sagte als D-r-a-c-h-e-n!“
„Ach so! Ich höre dich so schlecht!“ Meine Freundin zückte ihr Handy und machte ein Selfie von uns beiden.
„Bist du verrückt? Du kannst doch kein Bild von uns machen! Wir sind beide hässlich wie der Zins!“ ärgerte ich mich.
„Oh doch, ich sag dir was: wir gehen genauso hin, wie wir jetzt ausschauen! Als Viren. Du als Pneumokokke und ich als Staphylokokke! Wirst sehen, wir machen den ersten Preis!“
„Und? Was ist der erste Preis?“ fragte ich nach, während ich nach einem Taschentuch suchte, um mir die rinnende Nase zu putzen.
„Ein Wellness Wochenende für zwei Personen in einer Therme. Ich schwöre dir, das gewinnen wir!“
Davon bin ich auch überzeugt! Viren gewinnen immer!

Hatschi und viel Gesundheit wünscht euch
eure Katharina


Dienstag, 22.12.2015, 15:06

Nach längerem Zögern hat sich meine Mutter nun doch endlich entschieden, wo sie ihr Weihnachtsfest verbringen will. Die Wahl fällt ihr immer schwer, zieht sich jedes Jahr über Monate hinweg und endet genau einige Tage vor dem Heiligen Abend damit, dass ich die Auserwählte bin.
Wie schön! Die Vermutung, nun doch ihr Lieblingskind zu sein, zerschlägt sich spätestens bei der Erklärung ihrer Motive. Meine wie auch die Kinder meiner drei Schwestern seien ein areligiöser Haufen, unbescheiden und freche Rotznasen dazu, die Schwiegersöhne alles eingebildete Pfaue und überhaupt, wir Töchter nicht so geraten, wie sie es sich als Mutter erträumt hätte. Die eine zu bürgerlich, dafür einfältig, die andere wieder zu feministisch, dafür pädagogisch unter jeder Kritik. Ich läge irgendwo in der Mitte, zwischen lustvoller Selbstzerstörung (weil ich rauche) und satirischer Besserwisserei. Auf meine interessierte Nachfrage, warum sie dann bei mir feiern will, antwortet sie mir stets gelangweilt: „Weil du von allen am besten kochen kannst!“ und gibt danach auch sofort ihren Wünsch für den Festtagstisch bekannt, der jedes Jahr der gleiche ist.
Und der heißt seit dreiundzwanzig Jahren (!!!): gebackener Karpfen mit Mayonnaise-Salat.

Vor einigen Wochen nun las ich Erschreckendes über diesen glitschigen Teichbewohner, namens Karpfen, der mir wieder unsere Ähnlichkeit mit dem österreichischen Hausschwein vor Augen führte. Mensch und Schwein verdauen einfach alles, was ihnen aufgetischt wird, auch einen Karpfen.
Dieser Fisch hat nämlich die unangenehme Gewohnheit in den Tiefen morastiger Gewässer im Schlamm nach allerlei Verdorbenen zu suchen. Das Tier grundelt irgendwo im dreckigen Schlamm herum und ernährt sich von Algen und von am Boden lebenden oder bereits vermoderten Kleinlebewesen wie Insektenlarven, Schnecken und Würmern. Er ist sozusagen die Biosau unter den Fischen.
Mich ekelte allein schon der Gedanke, ein Karpfen sollte fortan nicht mehr gebacken am Tisch stehen. Ein durchaus lösbares Problem möchte man glauben, nur meine Mutter machte mir einen Strich durch die Rechnung, sie hätte sich dieses Jahr wieder für mich entschieden und pochte vehement auf ihre christlichen Traditionen, also Karpfen.
Ich versuchte es anders und ließ das Haus von meinen Kindern richtiggehend versauen. Leere Bier und RedBull-Dosen, dreckige Aschenbecher und tonnenweise Schmutzwäsche meiner Söhne, sollten das Haus ungemütlich für sie machen. Sie putzte. Ich täuschte eine ansteckende Infektionskrankheit vor, um sie dazu zu bewegen, doch bei einer meiner Schwestern zu feiern, damit endlich einmal ein Rindsbraten (selbstverständlich bio!) am Weihnachtstisch stehen konnte. Nichts half, sie kochte Hühnersuppe und hatte mich in drei Tagen wieder „gesundgepflegt“.
Gut, ich musste mit schwereren Geschützen auffahren. Vor vierzehn Tagen provozierte ich einen Konflikt, der mit aggressiven Schreiduellen und der Drohung endete, sie hätte endgültig von mir genug und würde bei meiner Schwester in Wien feiern.
HUUUUUUURRRRRRAAAAAA! Ich hatte gewonnen und mein Gott, diese kleine Sünde gehörte zu den lässlichen und brauchte nicht einmal gebeichtet werden. Sie fuhr beleidigt nach Wien. Endlich kein Karpfen, kein Mayonnaise-Salat und das seit dreiundzwanzig Jahren!!! Wir jubelten.
Was ich nicht bedacht hatte, meine Schwester war genauso hinterhältig wie ich. Sie täuschte einen Brechdurchfall vor, sehr ansteckend und sehr unangenehm, was natürlich bei meiner Mutter nicht funktionierte, auch sie wurde gesundgepflegt. So entschied man sich kurzerhand für ein amerikanisches Menü, Truthahn mit Erbsen Püree, obwohl ihre Kinder und meine Mutter Truthahn hassen.
Gestern stand sie nun freudestrahlend wieder vor meiner Türe, sie hätte mir meinen Wutanfall verziehen, der sicher an meiner Überforderung und meinem Stress gelegen hatte. Nachdem unser Haus Dank ihrer Hilfe wieder glänzte und ich durch ihre Pflege wieder genesen war, ziehe sie es vor, heuer wieder bei mir zu feiern, immerhin waren die letzten dreiundzwanzig Jahre ja auch ganz nett gewesen, oder?
Natürlich und wie! Und weil´s ganz christlich-traditionell werden soll, gibt’s eben heuer bei uns eine echte Biosau unter den Fischen: Gebackener Karpfen mit Mayonnaise-Salat (Bähhhhhh!!).

Ich wünsche Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und schöne Stunden im Kreise Eurer Lieben!
Katharina


Donnerstag, 17.12.2015, 17:27

Verstohlen sitze ich Woche für Woche in meinem Auto und warte bis der letzte Kunde die Putzerei verlassen hat. Fühle ich mich unbeobachtet und alleine, kann ich schnell mit meiner Bettdecke unter dem Arm aus dem Auto flüchten und betrete mit einer Wäschekluppe auf der Nase das Geschäft.
Die Verkäuferin kennt dieses groteske Spiel, kneift sich ebenfalls die Nase zu und näselt mitleidig in mein angstvolles Gesicht: „Ist es schon wieder passiert?“
„Ja!“
Routiniert greift sie dann in ein hinteres Regal und zieht eine gesäuberte, frische Bettdecke hervor, die ich ihr vergangene Woche gebracht habe und befüllt einen Plastiksack mit dem stickenden Stoff, den ich ihr über den Tresen reiche.
Jede Woche das gleiche Ritual, angepisste Bettdecke hingebracht, saubere wieder geholt.
Es hätte noch Jahre so weitergehen können, doch die Verkäuferin hielt es einfach nicht mehr aus und intervenierte beim letzten Besuch. Sie wollte wieder Leben in meine resignierten Augen bringen.
„An Ihrer Stelle würde ich sie einfach umbringen!“
„Wen denn?“ frage ich nach.
„Ihre offensichtlich neurotische Katze!“

Meine Katze und meine Mutter haben sich schon seit längerem gegen mich verschworen und treiben mich in den Wahnsinn. Beide sind Reinlichkeitsfanatiker und lassen mich diesen höchst unangenehmen Zustand jeden Dienstag, meinem Putztag auch augenscheinlich wissen. Die Mutter in Form von wilden Attacken gegen die Katzenkiste, die ihrer Meinung nach nichts in einem sauberen Vorzimmer zu suchen hat. Auf die Frage, wohin ich denn das Klo für meine mauzenden Vierbeiner (wir haben zwei dieser Prachtexemplare) hingeben soll, antwortet sie stets mit leicht angewiderter Stimme, überall hin nur nicht in den Wohnbereich. Sehr witzig, ich kann ja den alten Kater nicht einfach über die Balkonbrüstung baumeln und ihn von oben pinkeln lassen.
Trotz plausibler Argumente meinerseits ist nach ein paar Minuten das Katzenklo verschwunden, aber nicht der Drang meines alten, bereits inkontinenten Katers. Er ist in einem Alter, in dem Gewohnheit zum Überleben gehört. Steht die Katzenkiste, nicht an „seinem“ Ort, furzt das Tier eben trotzig dorthin, wo es am schönsten ist. Vorzüglich in mein Bett. Der Kater ist durch die diensttägliche Anwesenheit meiner Mutter mittlerweile in seinem Verhalten derart konditioniert, dass er nicht einmal darauf wartet, bis die Kiste verschwunden ist, es genügt der bissige Ton meiner Mutter, der ihn zu einem intensiven Stoffwechsel veranlasst, und ihn in meinen Federn zur Darmentleerung richtiggehend animiert.
Was man in so einem Fall tut? Ich weiß es nicht, ich glaube, ich kille beide. Das habe ich auch der mitfühlenden Verkäuferin bereits vor Wochen gesagt.
„Wenn ich einmal ohne meiner Bettdecke in Ihre Putzerei komme, dann habe ich entweder meine Mutter im Affekt ermordet oder die Katze einem Chinarestaurant zum Verkochen geschenkt!“ weihte ich die Verkäuferin in meine Pläne ein.

Nichts dergleichen habe ich natürlich gemacht, bellende Hunde beißen bekanntlich nicht. Meine Mutter öffne ich weiterhin Tür und Tor für ihre Putzattacken, nur dem Kater habe ich ordentlich ins Gewissen geredet.
Ihm habe ich in einem Wutanfall von seiner bevorstehenden asiatischen Zukunft erzählt, schön gegrillt oder gebacken am Teller eines Chinesen, oder würde ihn selbst als „Katzeng´schroa“ verkochen.
Das hat er nun weise wie er ist, eingesehen. Die Katzenkiste steht jetzt unter meinem Bett vor den Augen meiner Mutter unsichtbar und mit einem stinkteuren, dafür garantiert geruchfreien Sand versehen. In Summe teurer als ein Parfum von Gucci.

Vergangene Woche nun kam ich freudestrahlend ohne Wäscheklammer und Bettdecke in die Putzerei. Ich wollte einfach nur zwei Anzüge meines Mannes putzen lassen, worauf die Verkäuferin fast in Ohnmacht fiel.
„Sie Mörderin!“ schrie sie mich an.
„Wie bitte?“
„Ich habe es gewusst, Sie haben Ihre Katze verkocht!“
„Schlimmer!“ lachte ich sie siegessicher an.
Sie erbleichte, „Dann ist das arme Viech beim Chinesen…?“
„Mit meiner Mutter hätten Sie kein Mitleid?“ fragte ich unsicher nach, sie kannte ja meine mörderischen Absichten.
„Nein, habe ich nicht! Denn meine ist genauso mühsam wie die Ihrige. Sie haben mich mit ihrer Bettwäsche aber auf eine wunderbare Idee gebracht!“

Sofort klärte ich die Fassungslose auf, Mord und Totschlag seien nicht die probaten Mittel zur Konfliktbewältigung in einer Familie, eher das demütige Schweigen und Gehorchen seiner Mutter und die Akzeptanz, dass die widerliche Katzenkiste nun unter dem eigenen Bett steht.
Was man nicht alles für den Frieden in den eigenen vier Wänden macht…